23.06.2026: Gegen den Fachkräftemangel - Wie Fachkräfte aus dem Ausland Abhilfe schaffen

Bei vielen Gesprächen mit Unternehmern der Region kamen immer wieder die gleichen Probleme zur Sprache: Neben Bürokratie und Energiekosten ist der akute Fachkräftemangel vielfach ein inzwischen existenzielles Problem. Ulrich Dietz organisierte daher mit dem Wirtschaftsrat eine Veranstaltung zu diesem Thema. Im Wesentlichen gibt es zu diesem Problem zwei grundsätzliche Lösungsansätze: Während vor allem Industrieunternehmen ihre Produktionen oftmals mehr und mehr automatisieren, werben Mittelständler und Handwerksbetriebe zunehmend gezielt um Fachkräfte aus dem Ausland, um offene Stellen zu besetzen. Dabei ist dieses Problem bisher noch nicht durch den demografischen Wandel verursacht, sondern hat seine Ursachen eher in den Besonderheiten des deutschen Schul- und Ausbildungssystems und teilweise auch in regionalen Herausforderungen.

Thomas Burger, Geschäftsführender Gesellschafter der BURGER HOLDING GmbH & Co. KG
Thomas Burger, Geschäftsführender Gesellschafter der BURGER HOLDING GmbH & Co. KG

Die Veranstaltung der Sektion Villingen-Schwenningen/Donaueschingen des Wirtschaftsrats fand in Kooperation mit dem Jungen Wirtschaftsrat statt. Gastgeber war die SBS-Feintechnik GmbH & Co. KG in Schonach, ein Traditionsunternehmen in der Burger Gruppe, das im Bereich Getriebetechnik und Mechatronik tätig ist. Mehrere Mitglieder der Familie Burger gaben spannende Einblicke in Aufstellung und Historie der Burger Gruppe sowie in die von der Burger Gruppe genutzten Möglichkeiten der Automatisierung.

Manuel Burger
Manuel Burger
Fabian Burger
Fabian Burger

Anschließend berichtete Silke Burger, wie die Burger Gruppe internationale Auszubildende anwirbt. Die Burger Gruppe hat inzwischen eine ganze Reihe von Auszubildenden aus Indonesien eingestellt und ist mit deren Leistungen überaus zufrieden. Nach anfänglichen Problemen mit der vermittelnden Agentur nutzt die Burger Gruppe inzwischen andere Kanäle für die Rekrutierung.

Silke Burger
Silke Burger

Ein zweites beeindruckendes Beispiel für die Rekrutierung von internationalen Fachkräften wurde von Joachim Lederer, Inhaber der Metzgerei Lederer in Weil am Rhein und Landesinnungsmeister des Landesinnungsverbands für das Fleischerhandwerk Baden-Württemberg, vorgestellt. Er hat bereits vor mehreren Jahren begonnen, zunächst für seine eigene Metzgerei und inzwischen auch für andere Handwerksbetriebe junge Menschen aus Indien anzuwerben. Dabei stand am Anfang auch eine sorgfältige Überprüfung der vermittelnden Agentur, und es wurden die anwendbaren Geschäftsmodelle abgestimmt und inzwischen weiter verfeinert. Sein Ziel ist es, dass die Zusammenarbeit für alle Seiten fair und verbindlich sein muss und dass die jungen Auszubildenden nicht ausgebeutet werden. Er teilte auch einige Tipps, wie er seine indischen Azubis zusätzlich motiviert und besonders einbindet.

Joachim Lederer
Joachim Lederer

Auch die Erfahrungen von Joachim Lederer mit seinen indischen Auszubildenden sind uneingeschränkt positiv. Einige seiner Auszubildenden hatten vorher sogar in Indien einen Bachelor-Studienabschluss erworben, bevor sie nach Deutschland kamen. Er brachte auch einen seiner Auszubildenden mit, der in sehr gutem Deutsch über seine Beweggründe nach Deutschland zu kommen und über seine Erfahrungen in Deutschland berichtete.

Pratyay, indischer Auszubildender der Metzgerei Lederer
Pratyay, indischer Auszubildender der Metzgerei Lederer

Die folgende angeregte Diskussion ermöglichte einen Vergleich der Erfahrungen. Beide Ansätze haben nachdrücklich gezeigt, dass die Leistungsbereitschaft und die Leistungsfähigkeit der internationalen Auszubildenden beeindruckend ist und dass die ausbildenden Betriebe hochzufrieden sind. Jedoch wurde ebenfalls deutlich, dass es wichtig ist, die richtigen Kanäle und Agenturen für die Rekrutierung zu nutzen. Ein sorgfältiger Background-Check der Agenturen ist unerlässlich und kann evtl. auch von den IHKs / Wirtschaftsförderungen nicht verlässlich geleistet werden. Insbesondere Angebote, die für die Unternehmen kostenlos sind, bedeuten letztlich, dass die immer vorhandenen Kosten vollständig von den jungen Menschen getragen werden müssen, wodurch es dann andererseits bei manchen deutschen Unternehmen an dem notwendigen Commitment fehlen kann. Zusätzlich gibt es bei den Agenturen schwarze Schafe, die die Auszubildenden in unethischer Weise in Abhängigkeiten bringen.

Anmerkung: aproxITo verfügt über geeignete indische Geschäftspartner und/oder kann entsprechende Kontakte herstellen.

Fabian Burger gab einen Einblick in die innovativen Pläne der Burger Gruppe
Fabian Burger gab einen Einblick in die innovativen Pläne der Burger Gruppe

Zum Abschluss der Vorträge gab Manuel Burger einen Einblick in die innovativen Pläne des Unternehmens.

Danke an Thomas Burger, Geschäftsführender Gesellschafter der BURGER HOLDING GmbH & Co. KG, und an seine Familie für die eindrucksvollen Präsentationen! Und ebenfalls einen besonderen Dank an Joachim Lederer für seinen überzeugenden Bericht und für seine hilfreichen Erfahrungen!

Wer Joachim Lederer selber sehen möchte, findet u. a. auf YouTube unter den folgenden Links entsprechende Videos:

Beitrag auf SAT.1 (4:10 min)

Interview mit Joachim Lederer (10:15 min)

Beitrag auf SWR (24:12 min)